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Wenn Hitze auf Emotionen trifft

Wenn die Temperaturen steigen, arbeitet unser Körper auf Hochtouren, um die Körpertemperatur zu regulieren. Doch was passiert mit unserer Psyche, wenn wir uns den glühenden Sonnenstrahlen aussetzen? Die Verbindung zwischen Hitze, Hormonen und unserem Gefühlsleben ist dabei von großer Bedeutung. 

„Die Haut weist ein eigenes endokrinologisches System auf“, erklärt Nina Dalkner, Scientific Director an der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin der Med Uni Graz.  Vereinfacht gesagt bedeutet das, dass die Haut Hormone und Botenstoffe von außen nach innen ins Blut weitergibt. Welche Hormone im Zusammenhang mit Sonnenstrahlen stehen und wie diese untereinander agieren, ist sehr komplex. Laut Dalkner sind Vitamin D, Melatonin, ACTH, β-Endorphin und β-Lipotropin einige der zentralen Hormone im Sommer. Hormone fungieren als wahre Drahtzieher, die die Verbindung zwischen der Hitze, unserem Körper und seinen Reaktionen herstellen.

Vitamin-D, Serotonin und gute Laune

Vitamin D besitzt eine entscheidende Rolle im Körper und wird auf natürliche Weise durch die Einwirkung von Sonnenlicht auf unsere Haut produziert. Es beeinflusst eine Vielzahl hormoneller Prozesse, die sich auf unsere psychische Verfassung auswirken können. Besonders stark hilft es bei der Produktion des Neurotransmitters Serotonin. Dieser Botenstoff wiederum spielt eine wichtige Rolle bei der Regulation der Stimmung. Es ist ein Neurotransmitter, der an der Kommunikation zwischen Nervenzellen im Gehirn beteiligt ist und eine Vielzahl von Funktionen im Körper erfüllt. Umgangssprachlich wird Serotonin auch Glückshormon genannt, da er eine stimmungsaufhellende Wirkung aufweist und den natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus unterstützt.

Schwindende Frustrationstoleranz

Neben den stimmungsaufhellenden Sonnenstrahlen bringt der Sommer jedoch auch die erdrückende Hitze mit sich. Der menschliche Körper muss sich besonders anstrengen und arbeitet auf Hochtouren, um abzukühlen. Die zwei Hauptmethoden sind zum einen das jedem bekannten Schwitzen, bei dem die Schweißdrüsen in der Haut, Schweiß produziert, der dann auf der Hautoberfläche verdunstet. Zum anderen nutzt der Körper auch die Vasodilatation. Hier wird durch die Erweiterung der Blutgefäße mehr Blut an die Hautoberfläche transportiert, wodurch die Wärme abgegeben wird und der Körper abkühlen kann. Das klingt nicht nur anstrengend, sondern ist es auch. Diese Prozesse schöpfen die gesamten Energiereserven des menschlichen Körpers aus und so kommt es, dass wir uns nur noch ins Bett legen möchten. Der ein oder andere würde einem jetzt vorschlagen „einfach ein Nickerchen zu machen“. Was so einfach klingt, gestaltet sich für Menschen, die nicht mit einer Klimaanlage ausgestattet sind, jedoch etwas schwierig. Temperaturen über 30 Grad beeinträchtigen nämlich nachweislich den Schlaf, da sich der Kreislauf durchgehend anstrengen muss, den Körper abzukühlen und nicht zu überhitzen.

Die Hitze kurbelt genauso wie die Sonnenstrahlen die Hormonproduktion an. „Untersuchungen haben gezeigt, dass bei Hitze vermehrt, das Hormon Vasopressin (auch antidiuretisches Hormon oder ADH genannt) produziert wird, welches im Zusammenhang mit aggressiven Verhalten steht“, so Dalkner. Diese ständige Erschöpfung gepaart mit dem kreislaufbedingten Schlafmangel und der Produktion von Hormonen wie Vasopressin führt zu einer negativen Grundeinstellung. Wir sind schneller gereizt und unsere Frustrationstoleranz sinkt um einiges. Der Psychologe Craig Anderson von der Iowa State University in den USA fand zudem in einer Studie heraus, dass bei Temperaturen über 32 Grad auch die Gewaltbereitschaft der Menschen deutlich ansteigt. 

Die Hormone des Sommers erklärt….

Vitamin D wird durch das Sonnenlicht auf unserer Haut produziert. Es spielt eine wichtige Rolle bei der Regulation von Neurotransmittern im Gehirn, wie beispielsweise Serotonin. Serotonin wird oft als “Glückshormon” bezeichnet, da es  die Stimmung reguliert. Ein Vitamin D- und folglich ein Serotonin-Mangel kann zu Stimmungsstörungen wie Depressionen führen. 

Melatonin, das sogenannte “Schlafhormon”, wird bei Dunkelheit produziert und sagt uns, wann Schlafenszeit ist. Unser Melatoninspiegel ist im Sommer niedriger als im Winter, da die Tage länger sind. Die möglichen Folgen von zu wenig Melatonin im Blut: Probleme beim Einschlafen und ein verzögerter Schlaf-Wach-Rythmus. 

ACTH wird an der Hypophyse, der Hirnanhangdrüse, gebildet. Es reguliert unter anderem die Bildung und Freisetzung von Kortison in der Nebennierenrinde. Kortison wird als Teil der Stressreaktion des Körpers ausgeschüttet, daher wird ACTH umgangssprachlich auch als “Stresshormon” bezeichnet. Ein erhöhter Kortisonspiegel kann dazu führen, dass wir uns angespannt, unruhig oder ängstlich fühlen. 

ß-Endorphin ist ein natürlich vorkommendes Opioidpeptid, das im Körper produziert wird. Es wirkt als körpereigenes Schmerzmittel und Neurotransmitter. ß-Endorphin wird hauptsächlich in der Hypophyse produziert und freigesetzt. Es kann Schmerzen lindern, das Wohlbefinden steigern und die Stimmung positiv beeinflussen.

ß-Lipotropin (ß-LPH) ist ein Vorläuferhormon, das in der Hypophyse gebildet wird. Es reguliert den Fettstoffwechsel und die Mobilisierung von Fettreserven. ß-Lipotropin beeinflusst auch die Pigmentierung der Haut durch die Regulierung der Melaninproduktion. Zusätzlich spielt es eine Rolle bei der Modulation der Immunantwort und der Entzündungsregulation.